14) Weiden

14) Weiden   Ein Stimmgewirr erzählt im roten Klee, im Gras. So heißt das Weideland: die Prosa ohne Maß.   (In den Hügeln westlich von St Andrews, 13.10. 2017)    

13) Abenddämmerung über Letham

13) Abenddämmerung über Letham   Ich spüre die Gelenke der Zeit. Am Tag verwuchsen Knochen, hart im Sekundensprung. Am Abend kommt die Weichheit wieder, duckt sich die Nacht in die schnellen Wolken.   (Letham, 12. Oktober 2017)   Translation by Kathryn Kean   Nightfall over Letham   I feel the joints of time. In the … Read more

12) Der Feuerkäfer

12) Der Feuerkäfer   Sein Weg geht durchs Holz: Durch Rinden, durch den Moder kriecht unbeirrt ein Lodern, ein Glühen und ein Brennen, ein Schwelen und ein Sengen. So lehrt er es seinen Kindern: Alles, was lebt, ist es selbst und etwas anderes.   (Letham, 11. Oktober 2017)   Translation by Joanna Kalemba   The … Read more

11) Im Erwachen und Der eigene Ton

11) Im Erwachen   Noch ist der Tastsinn fremd, ist außen noch kein Raum: Ich bin ein Gliedertier in seinem Muscheltraum.   (St Andrews, 11. Oktober 2017)     Der eigene Ton   Ein Fremder wachte auf, er sprach dieselben Dinge und irrte so wie ich, hofft, daß ich in ihm schwinge.   (St Andrews, … Read more

10) Ins Offene

10) Ins Offene   Das Brennesselgesträuch wächst dicht nach allen Seiten, kennt keinen Weg, nur Raum, den Wurzeln suchend weiten.   (Am Feldrand, Cupar, 10. Oktober 2017)   Translation by Rebecca Hagen   In the open   The bush of the stinging nettle grows thickly to all sides, knows no path, just space, searching for … Read more

9) Geröll, ein Echo

9) Geröll, ein Echo   Geröll, ein Echo schläft im steilen Hang,  das niemand mehr versteht, von dessen Stimme nur Schutt zurückblieb, Flechtenstille, Glimmer, und was verschwand, ist ungewiß: Der Hang   verschweigt im Sturm, wenn noch die Falken kauern in Wällen Moos, verschweigt im Heidekraut, im Bachlauf, den ein Schafskadaver staut, verschweigt den Nachhall … Read more

8) Sturm

8) Sturm im Glen Doll   Ein Wimmern in der Luft, als sei der Wind verletzt und schleppt sich aus der Welt – er atmet ein zuletzt?   ( 7. Oktober 2017)

7) Von der Herkunft eines Gedichts

7) Von der Herkunft eines Gedichts   Du siehst den Möwen nach, den Schatten, die verrauschen. So heißt der erste Vers: Geräusch des eignen Lauschens.   (St Andrews, West Sands, 6. Oktober 2017)   Translation by Joanna Kalemba   7) About the origin of a poem   You watch the seagulls fade, their shadows drawing … Read more

6) Das Jenseits der Fische

Schottische Funde Der Blick in die Natur ist ein Blick in die Fremde. Abgesichertes Sprechen wird dort unmöglich, wo wir Wesen begegnen, die nicht Teil sind unserer wuchernden Menschenräume. Dichter wird das Netz, das uns einschließt in vorstrukturierte Wirklichkeiten. Öffnung, sei es für das Unerwartete und Unbekannte im Innern des Menschen, sei es für die … Read more

4) Epiphanie und 5) Rand der Sprache

4) Epiphanie   Der Schwan berührt das Meer genau an jener Stelle, wo Licht verstanden wird, die brandungslose Welle.   (3.10. 2017, Hafen von Pittenweem)   5) Rand der Sprache Die weichen Stengel Tang, sie schwanken in den Wellen. So heißt mein Wortbestand: die unterspülten Stellen.   (3.10. 2017, Hafen von Pittenweem)    

3) Der Hund auf dem Schiff

3) Der Hund auf dem Schiff:     Credo quia absurdum   Hechelnd, daß die Angst ihn nicht greift, nicht einwächst in den hohen witternden Kopf, ihn engt, wo sonst die Welt sich zeigt, weil sie riecht, ihr Atem härtet zu Dingen,   steht der Hund gespannt auf dem Stahlsteg, schnüffelt irr, wo nichts mehr sicher … Read more