6) Das Jenseits der Fische

Schottische Funde

Der Blick in die Natur ist ein Blick in die Fremde. Abgesichertes Sprechen wird dort unmöglich, wo wir Wesen begegnen, die nicht Teil sind unserer wuchernden Menschenräume. Dichter wird das Netz, das uns einschließt in vorstrukturierte Wirklichkeiten. Öffnung, sei es für das Unerwartete und Unbekannte im Innern des Menschen, sei es für die Kreaturen oder für die Irritationen der Transzendenz – sie wird immer schwerer. Poesie ist an Rändern unterwegs, wo die Sprache an Grenzen kommt und Ungesagtes erkundet. Sie geht in die Fremde.  So sind Naturgedichte eine Politikum, ein Verteidigungsversuch des Menschen, „der nicht ganz zu Hause ist in der gedeuteten Welt“ (Rilke), und so sammle ich unterwegs in und um St Andrews täglich kleine Funde, Unscheinbares, Momente des Sehens und des Angesehenwerdens, abgebildet zumeist in zweizeiligen Alexandriner-Strophen und Diptychen. 

 

6) Das Jenseits der Fische

 

In jedem Körper hängt / ein Sack voll Fremde, trocken

und leer. In Schwebe hält / er Schwimmende wie Flocken.

 

(4.10. 2017, St Andrews, am Meer unterhalb der Burgruinen)

 

Translation by Louise Cameron

 

The other world of the fish 

 

In every body hangs / a bag completely foreign, dry

and empty. Held in place / floating like flakes.

(4.10.2017, St Andrews, by the sea under the castle ruins)’

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